Klassische Musik für eine neue Generation – Interpretation und Wirken

By Bogner Manuel|März 11, 2017|Gedanke|0 comments

Die Interpretation und Bearbeitung von Originalwerken – was steht den Dirigenten, Interpreten und Korrektoren zu?
Nicht nur heute oder zu Zeiten Sergiu Celibidaches (1912-1996) war es Thema.

Hector Berlioz (1803-1869) als einer der Vertreter der Romantik formulierte in seinen Memoiren von 1870 in einer Textstelle:

„(…) und vor allem jene Entweiher, die es wagen, an Originalwerke die Hand zu legen, sie scheußlichen Verstümmelungen unterziehen, die sie Korrekturen und Vervollkommnung nennen, wozu, wie sie sagen, viel Geschmack gehört. Fluch über sie! Sie beleidigen die Kunst und ziehen sie ins Lächerliche.“ Berlioz, Hector: Memoiren, hg. von Wolf Rosenberg, München, 1979

Geschrieben aus der Seele, interpretiert man den Schreibstil seiner kompletten Memoiren. Man kann Berlioz nun posthum zustimmen oder nicht. Heute sehen wir, dass durch „moderne“ Interpretationen der Charakter klassischer Werke teilweise vollkommen verloren geht – eine Qual für Liebhaber klassischer Musik. Es sind eben modernisierte bzw. in die Moderne gezwungene und angepasste Interpretationen eines klassischen Stücks. Schon alleine durch moderne Musikinstrumente wird der Pathos einer Ouvertüre verfälscht; wenngleich besser im Klang, reiner und besser resonierend womöglich, aber ungleich als zum Status der Erstaufführung. Mit modernen Elementen und Technik soll Klassik „aufgepimpt“ werden. Elektronische Modellboote oder ferngesteuerte U-Boote – diese Dinge haben in „Les Indes galantes“ von Jean-Philippe Rameau aus dem Jahre 1735 nichts zu suchen.

© Manuel Bogner – Viola da gamba

Nachvollziehbar ist es in Teilen natürlich schon, denn junge Menschen werden eine solche Ballettoper nicht wie eine Disco stürmen. Es gibt die Interessierten und Liebhaber, denen gegenüber stehen eben eine wachsende Zahl junger Menschen, für die solche Musik zu langsam ist, zu wenig Bass hat oder einfach in der Aufmachung zu alt und unattraktiv ist. Die Musik – die Umgebung im Opernhaus – wirkt auf sie unkomfortabel. Adrette und elegante Garderobe werden ebenso verlangt; ungewohnt und die somit produziere Atmosphäre wird als unangenehm empfunden. Die Orchester selbst bemühen sich darum, die Musik dieses Genres lebendiger zu machen und auf den Stand der Zeit und mit der Technik der Zeit in Einklang zu bringen. Insoweit die Werke ihren Charakter bewahren ist es ein tolles Engagement und notwendig. Klassik darf schließlich als die Basis unserer heutigen Musik nicht aussterben! Müssen wir sie also in ihrer Art opfern, um sie dann doch irgendwie in die Zukunft zu bringen?

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