Geldflüsse in der Entwicklungszusammenarbeit seit 1960

By Redaktion|Juli 3, 2017|Entwicklungshilfe, Welt|0 comments

Entwicklungshilfe
Transfers der westlichen Welt binnen 55 Jahren an entwicklungsbedürftige Länder

von Manuel D. Bogner

Mehr als 2.980.000.000.000 (Billionen) US-Dollar dürften seit 1960 an entsprechende Staaten und deren Bewohner geflossen sein. Eine gewaltige Summe an Mitteln, deren dauerhafter Effekt spürbar und die Entwicklungshilfe berechtigt? Die Summe gibt allbekannt nicht unbedingt den Ausschlag. Das Augenmerk liegt auf der Verwendung – Erfolg oder Niederlage in der Bekämpfung von Armut, Hunger, Umweltkatastrophen, geographischer Benachteiligung, korrupter Systeme und nicht weniger den Lasten der Geschichte.

Beginnend mit der Definition der Entwicklungszusammenarbeit, auch Entwicklungshilfe genannt:

„Alle Leistungen materieller und nicht materieller Art von Industrieländern an Entwicklungsländer zu Vorzugskonditionen mit dem Ziel der Förderung der sozio-ökonomischen Entwicklung bzw. Verbesserung der Lebensbedingungen über Know-how-, Technologie- und Ressourcentransfer. (…)“

Ist Entwicklungshilfe also nach unserem Verständnis eine Art Erziehungsprojekt in dem wir zu transferieren versuchen, was bei uns scheinbar politisch, wirtschaftlich, kulturell usw. gut zu klappen scheint? Auch eine Art kulturelle Erziehung? Leider gibt die Definition keine Formulierung zum Wissenstransfer; Wissenschaft dürfte im groben wohl die unvoreingenommenste und neutralste Hilfe sein. Zudem ist diese auch kaum kulturell prägbar. Der „Technologietransfer“, worin besteht die Sinnhaftigkeit eine Technologie zu importieren, die dann wiederum nur von fremdem Personal gewartet werden kann und Ersatzteile über den halben Erdball transportiert werden müssen? „Ressourcentransfer“ wenn damit die massenhafte Flucht humaner Ressourcen aus Entwicklungsländen in Industrieländer gemeint ist, dann wird dieser Punkt sehr erfolgreich umgesetzt. Bis heute hat es die Entwicklungshilfe offenbar nicht geschafft etwas solides zu etablieren und die dortigen Bewohner dazu zu animieren ihr Leben zuhause aufzubauen. Hingegen werden diese Länder in den kommenden Jahrzehnten ausbluten, denn ganze Generationen ihrer Bevölkerung sind geflohen und abgewandert. Wie soll dort eine solide Gesellschaft entstehen und wirtschaftlicher Erfolg?

Betrachten wir in diesem Zusammenhang die geflossenen Gelder. Hierzu die Zahlen der Weltbank mit Sitz in Washington (Angaben in Mrd. US$):

 

1960              4,23 1990              60,27 2010              130,75
1970              6,82 2000              56,22 2012              133,44
  1980              34,48   2005              108,20 2015              152,51

 

Kumuliert man alle Jahre seit 1960 bis 2015 beträgt die Summe, gezahlt von den der 189 Mitgliedstaaten, 2,98 Billionen US$. Fast 3 Billionen Dollar oder knapp 2,7 Billionen Euro. (Stand 07/2017)

Seit der Gründung der Weltbank wurden die Entwicklungsgelder der Mitgliedsstaaten aufgezeichnet und gleichsam die Länder in welche die Zuwendungen flossen statistisch erfasst. In diesem Zusammenhang wird es dann auch diffizil, betrachtet man das ein oder andere Land. Bangladesch erhielt 1960 keine Zuwendung und 2015 knapp 2,6 Mrd. US$. Angesichts dessen, dass Unmengen unserer Kleidung dort produziert, genäht und verarbeitet wird – es offenbart sich das Problem viel deutlicher. Anstatt dass Modekonzerne dort adäquat entlohnen würden, leben die Menschen in Armut und die westlichen Staaten müssen mit Hilfen tätig werden. Anstatt Unternehmen zu höheren Löhnen zu verpflichten und die freie Wirtschaft, wo diese auch unternehmerisch tätig ist, in die Pflicht zu nehmen, wird Steuergeld in Form von Entwicklungshilfe eingesetzt. Für Konzerne bleibt die Produktion billigst, die Steuern gering, der Gewinn hoch und die Moral unauffindbar. Ob in Deutschland, Frankreich oder den USA, das Leben ist zu günstig und hierzu tun die Staaten ihr bestes um es auch dabei zu belassen. Die Bürger werden in Illusionen gezähmt und die Entwicklungshilfe kaschieren höchstens noch schlimmere Auswüchse und Ursachen unserer jetzigen Wirtschaftsgebaren in betreffenden „Drittweltländern“. Wiederum fließt leider viel Entwicklungsgeld direkt zurück zu den Gebern, denn Kredite der Schwellen- und Entwicklungsländer wollen auch getilgt werden. Dieses Problem geht in der öffentlichen Debatte leider etwas unter. Die Verschuldung der Entwicklungsländer – explizit vieler Staaten in Afrika – ist sehr hoch. Sie verschulden sich immer weiter und zugleich wird viel zu wenig Geld aus der Entwicklungshilfe im Land selbst investiert. Aufgrund dieses Umstands fordern bereits viele Banker und Politiker diesen Ländern ihre Schulen zum größten Teil zu erlassen, denn die Spirale kann sich in diesem Falle nur negativ fortsetzen.

Syrien bekam 1960 knapp 19 Mio. US$ und 2015 nun annähernd 4,9 Mrd. US$. Ein Land, welches seit Jahren im Bürgerkrieg versinkt und wir nur abwarten und zusehen. Was dort auch ankommen mag, bei den Menschen kommt sicher kein Bruchteil dessen an. Die arabische Welt: 1960 noch rund 880 Mio. US$ und 2015 unglaubliche 20.180.540.000 US$. Die Türkei erhielt vor 2 Jahren knapp 2,15 Mrd. US$.

Global betrachtet steigen also die Geldmittel für Entwicklungshilfe. Seit 1960 um satte 3.617 Prozent (bis 2015).

Darauffolgend stellen sich wohl nicht wenige die berechtigte Frage: Versickert das alles nicht nur im Sand und müssten die Zuwendungen nicht mit der Zeit auch zurückgehen – künstlicher Erhalt ohne Verbesserung?

© Christoph Pongratz, Straßenzug Hanois – Hauptstadt von Vietnam

Die Resultate: Es lohnt sich hier  den Report der „Weltbank“ einzusehen und die dort aufgeführten 3Erfolge zu würdigen (Link anbei). Beispielsweise wurden nach Angaben von 2012 bis 2015 3,7 Mio. Menschen in ländlichen Gegenden Bangladeschs mit einem Stromzugang aus erneuerbaren Energien versorgt. In Vietnam wurden 2008 bis 2014 mehr als 93.400 Bauern mit Techniken in der Landwirtschaft vertraut gemacht. Haiti wurde mit der Schulung von medizinischem Personal als Teil des Projekts zur Bekämpfung der Cholera unter die Arme gegriffen, 5,571 Menschen wurden geschult. Zugang zu Krediten und Geldmitteln, Schulungen und Ausbildung, Aufbau der Infrastruktur, Versorgung mit sauberem Trinkwasser ufm. sind im Jahresbericht aufgeführte Projekte

Surreal ist andererseits; an dieser Art der Wirtschaftsförderung,  dass sie in großen Teilen unserer Wirtschaftsstärke dient, denn wir können dort billig einkaufen, produzieren, lokale Unternehmen mit irrsinnigen Angeboten ausboten und aufkaufen. Der Vorwurf ist somit, dass wir keine langfristig richtig ausgelegte Entwicklungshilfe betreiben.

Was könnten Kernpunkt sollten sein?

  • Unternehmen müssen zu Investitionen verpflichtet werden, halten sie dort Produktionsstandorte
  • Verbot der Vergabe an Aufträge an Subunternehmer die nicht unseren Rechtsmaßstäben unterliegen und unkontrollierbar hantieren
  • Vollumfängliche juristische Verantwortung des Mutterkonzerns für die komplette Produktionskette, Pflicht zur Überwachung und Einhaltung der Standards
  • Sicherstellen einer soliden Verkehrsinfrastruktur und der Energieversorgung (Solarenergie usw.)
  • Debatte um Gen-Mais
  • Lebensmittelversorgung sicherstellen und Fleischexporte aus Schwellen- und Entwicklungsländern in den Westen untersagen

Diese Punkte wären alle ohne Entwicklungshilfeorganisationen undenkbar. Nicht nur Staaten sind mit der Finanzierung oder Förderung von Projekten aktiv, sondern auch private oder kirchliche Organisationen vollbringen teils ehrenamtliches Engagement vor Ort. Kernbaustein einer effektiven Entwicklungsarbeit, Korruptionsbekämpfung, Aufklärung und sozialen/gesellschaftsfähigen Erziehung ist der persönliche Kontakt. Fremde die sich kümmern und deren Aufsichtsbehörde auch die entsprechenden Geldflüsse überwacht. Obwohl diesen Hilfsorganisationen teils auch großes Misstrauen entgegengebracht wird, so können doch viele von ihnen etwas vorweisen. Sie bringen Spendengelder dahin wo diese gebraucht werden und eine vor Ort kontrollierbare Verwendung verhindert Missbrauch und Argwohn.

Ohne staatliche Gelder verrichten einzelne Organisationen ihre Arbeit. Tausende freiwillige Ärzte, Pflegepersonal ufm. versuchen in ihren Einsatzgebieten Menschenleben zu bewahren. Diese Menschen können nichts dafür, dass sie dort geboren sind, Krieg herrscht oder die Armut aus dem Palast quasi verordnet ist. Lediglich Jahr für Jahr mehr Gelder bereitzustellen kann auf Dauer keine Lösung sein. Diese Staaten müssen entweder richtig entwickelt oder fallengelassen werden. Entwickelt mit ihren eigenen Mitteln und vorlaufend in ihrer technologischen Evolution. Angesichts dieser Kluft zwischen Schwellenländern und Industrienationen wäre es doch wert darüber nachzudenken, ob man nicht voneinander abgetrennte Wirtschaftsräume schafft?

Literaturtipp:

Unter dem nachfolgenden Link finden Sie eine Broschüre mit den 50 Highlights in 50 Jahren, OECD und der Development Assistance Committee (DAC)http://www.oecd.org/dac/46717535.pdf

http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/54797/entwicklungshilfe-v9.html

The World Bank, Washington; http://data.worldbank.org/indicator/DT.ODA.ALLD.CD Net official development assistance and official aid received (current US$))

http://www.worldbank.org/en/about/annual-report/infographics2

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